Sonntag, 30. August 2015

REZENSION - 183 Tage




183 Tage
Ianina Ilitcheva
Erscheinungsdatum: August 2015
Genre: Tagebuch, Erfahrungsbericht, Poesie

Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Preis: 29,90€
ISBN: 978-3218009959

Einzelband 







Lesen durfte ich dieses tolle Buch im Rahmen einer Leserunde. Vielen Dank noch einmal für dieses Exemplar!

Ianina Illitcheva möchte sich zurückziehen, 183 Tage lang, ein halbes Jahr. Keine Freunde, keine Socialmedias, keine Anrufe, keine Nachrichten – nur sie und ihre Gedanken, die sie in Form von Notizen, Bildern, Zeichnungen und Texten festhält. Wie kommt sie damit zurecht allein zu sein? Und was erlebt sie in diesen 183 Tagen?

„Warum hat mich dieses Buch angesprochen?“, das ist die erste Frage, die ich mir vorhin gestellt habe, als ich mich hier hingesessen habe um die Rezension zu schreiben. Die Antwort ist ziemlich simple, denn in erster Linie war es das wunderschöne, ausdrucksstarke Cover. Ja, ich verfalle Covern sehr gerne und gebe es auch gerne zu. Doch auch die Beschreibung hat mich sofort angesprochen, denn dieses Buch ist eindeutig anders und mal etwas ganz Neues. Zudem ist mir die Idee der kontrollierten Isolation nicht fremd, denn ich habe einmal praktisch etwas ganz ähnliches getan und war somit gespannt auf die Erfahrungen der Autorin/Künstlerin.

Wer hier allerdings einen detaillierten Erfahrungsbericht erhofft, ist eindeutig falsch. Vielmehr findet man in diesem Buch eine Ansammlung von poetischen, direkten und oft auch sarkastischen Gedanken wieder, die während der 183 Tage als kurze Notizen und Gedichten, ausdrucksstarke Skizzen und Zeichnungen, längere Gedankengänge und auch Bilder (in Form von transparenten Seiten) festgehalten wurden.
Als ich mir das Buch das erste Mal ansah, dachte ich auch, dass es sicherlich ein kurzer Spaß wird, da 256 Seiten ja wirklich nicht viel sind, vor allem, weil diese ja nicht komplett gefüllt sind wie bei einem normalen Roman. Doch eigentlich habe ich noch länger gebraucht, da diese Stimmung, die von dem einzigartigen Schreibstil der Autorin ausging und auch die Bedeutung hinter einigen Worten selbst, mich dazu verleitet haben, weitaus langsamer und genauer zu lesen.
Während des halben Jahres erlebt Ianina natürlich vieles und durchlebt auch viele Emotionen – Traurigkeit, Einsamkeit, Verwirrtheit, aber auch Fröhlichkeit und es war wirklich interessant zu sehen, wie sie diese zum Ausdruck bringt und wie sie damit umgeht, da auch zwei sehr prägende Dinge geschehen.
Einige Gedanken bleiben so unkommentiert, dass sie Worte sind, die bloß etwas im Raum nachhallen, andere sind persönlicher ausgeführt und regen zum Nachdenken an und wieder andere sind locker und bringen einen zum Schmunzeln. Genau dieser Wechsel hat das Buch für mich eigentlich erst so anziehend und interessant gemacht.
Und auch wenn man zwischen den Zeilen und anhand der längeren Texte einiges mitnehmen bzw. verstehen konnte, hätte ich mir doch noch ein paar Worte mehr gewünscht, was die Erkenntnisse und auch die „Wiedereingliederung“ in ihre soziale Welt nach dem Experiment angeht.

Zusammenfassend kann ich also sagen, dass man hier ein sehr kunstvolles Buch mit interessanten Gedanken und ausdrucksvollen Zeichnungen und zum Teil poetischen Worten findet, bei dem man auch mal die Chance hat viel zwischen den Zeilen zu lesen. Dementsprechend ist dieses Buch sehr besonders und eher etwas für Menschen, die Spaß daran haben über Worte nachzudenken und sich an schönen Illustrationen erfreuen. 




4,5 von 5 Sterne





Melancholia ♥

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