Donnerstag, 30. Juli 2015

REZENSION - Auf eine wie dich habe ich lange gewartet

Auf eine wie dich habe ich lange gewartet
Patrycja Spychalski
Verlag: cbt
Erscheinungsdatum: 13.07.15
Genre: Jugendbuch
Einzelband
Taschenbuch: 320 Seiten
Preis: 9,99€
ISBN: 978-3570309735

Ebooks: Kindle Edition
Preis: 8,99€
ASIN: B00XPDGVGG



Für Laura bricht die Welt zusammen. Da ihr Vater ein neues Jobangebot bekommen hat, zieht sie mit ihrer Familie aus der Stadt aufs Dorf. Sie tut sich schwer es zu akzeptieren und plant, direkt nach dem Abi wegzuziehen. Doch als sie Enzo und wenig später Irina kennenlernt, beginnt sich der Plan etwas aufzulösen. Enzo ist süß, doch als Irina und Laura sich küssen, beginnt ein Gefühlschaos, das nach Entscheidungen ruft...

Vielleicht fange ich damit an, was ich mir bei diesem Buch vorgestellt und erhofft habe. Ich wusste, dass es ein Buch ist, das vor allem für die jüngeren Menschen unter uns gedacht ist, dennoch erwartete ich eine klare Message und ein wenig tiefgründige Gedanken, da es sich um ein wichtiges Thema handelt und für mich persönlich der Titel des Buches etwas tiefgründiger rüberkommt.

Aus diesem Grund (und dem wunderschönen Cover) wollte ich es wirklich gerne lesen und als ich anfing, war ich auch angetan - vom lockeren, angenehmen Schreibstil, die schöne Beschreibung der Umgebung (vor allem Lauras neuem Haus) und zum Teil den Charakteren.
Enzo scheint ein sehr netter und kluger Junge zu sein, aber vor allem Irina war sehr detailliert herausgearbeitet, manchmal sogar mehr, als die Hauptprotagonistin selbst.
Sie ist spontan, frech aber dennoch sympathisch, sprunghaft, alternativ und schwimmt gegen den Strom.
Laura ist ebenso sympathisch, etwas unsicherer und kann sich selbst gut objektiv betrachten, z.B. fällt ihr auf, dass ihr miesepetriges Verhalten beim Umzug nervig ist.
Aber bei diesem Dreieck bleibt es auch, denn die anderen Charaktere sind etwas schwächer.
Dies lenkt natürlich den Fokus auf das Wesentliche - das Beziehungsgespann der 3 Jugendlichen.
Allerdings fand ich Irina und Laura einfach toll zusammen, so unbekümmert und leicht und vor allem zeigten sie, dass Homosexualität etwas normales ist, bis zum Schluss zumindest...
Die Beziehung zwischen Enzo und Laura war mich nicht ganz klar, denn bis auf ein paar Momente, haben sie nicht viel zusammen erlebt, sodass die Gefühle Lauras Enzo gegenüber nicht so realistisch waren, wie die zu Irina.

Ich finde es schade, dass der Kuss vorweggenommen wurde, denn es handelt sich um eine Schlüsselszene die überraschen sollte, man hat allerdings die ganze Zeit darauf gewartet, was die Überraschung ziemlich gebremst hat. Man hätte hier auch einfach schreiben können, dass Laura Enzo toll findet, aber auch ein Auge auf Irina wirft.

Die Geschichte behandelt ein sehr wichtiges Thema und war der Hauptgrund, wieso ich dieses Buch lesen wollte.
Homosexualität ist etwas, was die meisten jungen Menschen verwirrt, wenn sie es selbst erleben, da die Gesellschaft nicht in der Lage ist, es als normal anzusehen. Deswegen war Lauras Verwirrtheit und Gefühlschaos realistisch dargestellt und verständlich - sie wächst eben in einer Gesellschaft auf, in der Hetero als Norm gilt.

Was mich allerdings gestört hat, waren ein paar Aussagen und Handlungen, die den Wert dieser Message und die Message selbst geschwächt haben und die, besonders mit Hinblick auf die junge Zielgruppe, etwas unglücklich gewählt waren.

Bis zum letzten Drittel des Buches war ich angetan, auch wenn das Thema gar nicht so im Vordergrund stand, aber ich wurde unterhalten und man konnte eine kleine Message herauslesen.
Als die Dinge dann ihren Lauf nahmen, bekam die Geschichte einen seltsamen Beigeschmack, der so sicher auf keinen Fall gedacht war und vielen eventuell gar nicht so bewusst wurde.
Aber als Person, die sich sehr viel mit solchen gesellschaftlichen und menschlichen Themen auseinandersetzt, habe ich das Buch mit anderen Augen gelesen und war zum Ende hin wirklich verwirrt, weil ich gar nicht mehr wusste, ob das Buch überhaupt eine Message trägt und ob es nicht im Endeffekt doch "nur" eine leichte Geschichte für nebenbei ist, der ich keine besondere, positive Wirkung zuschreiben würde.

Grund dafür war eine Reaktion von Irina, die der Geschichte das besondere wieder etwas nahm. Natürlich werde ich es jetzt nicht verraten - das müsst ihr selbst lesen - aber vielleicht fällt es euch ja sogar selbst auf!
Zudem war für mich diese Reaktion auch keine Überraschung und vorhersehbar, was auch etwas schade ist.

Ein anderer Grund waren ein paar Kommentare, die ich nicht alle näher erläutern kann da ich sonst zu viel vorwegnehmen würde. Z.B sagt Enzo etwas auf der vorletzten Seite des Buches, das ein typisch gesellschaftliches Bild ist, nämlich die Sexualisierung von lesbischen Beziehungen und da war ich sehr überrascht, denn Enzo war zuvor jemand für mich, der sehr klug schien und jemand war, der sich nicht von solchen Missverständnissen der Gesellschaft hat einlullen lassen, da er ja selbst eher Einzelgänger war bzw. mit vielen nicht zurecht kam.
Für mich bekam das dann alles dann einen bitteren Nachgeschmack, vor allem als ich mir überlegt habe, dass solche gesellschaftlichen und nicht guten Bilder an die jungen Leser weitergegeben werden und als "normal" abgestempelt werden, da es ja von einem Protagonisten kam, der eben sympathisch und klug wirkte.
Natürlich ist das eine realistische Darstellung, da nicht viele Teenager sich solche Gedanken über die Gesellschaft machen und wissen, dass es falsch ist, aber solch eine Message in die Welt zu tragen kam mir dann doch zu unpassend vor.
Generell waren es mehrere kleine Dinge, die die eigentliche Message für mich abgeschwächt haben und mir die Lust auf das Buch, die ich vorher sehr hatte, auch etwas nahmen, obwohl ich natürlich nicht denke, dass sie so gemeint waren!

Das Ende kam mir außerdem etwas zu abrupt und wirkte zu geplant bzw. zu schnell abgehandelt um eine tiefgründigere Geschichte zu sein.
Deswegen war das Buch zusammenfassend für mich eine leichte Sommerlektüre, deren Message leider sehr geschwächt wurde und somit, für mich, nicht als "besonders" oder neuartig empfunden wurde, sondern als normales Buch für junge Teenager, mit tollem Schreibstil und schöner Umgebung - also perfekt für den Sommer!

Um es mit dem tollsten Satz des Buches zu beenden, der von Lauras Mutter stammt:
"Findest du nicht, dass es letztendlich ein Mensch ist, in den man sich verliebt?"

Um es kurz zu sagen - diese Message hatte ich mir erhofft und leider nicht ganz vorgefunden, aber dennoch nette Unterhaltung!

3 von 5 Sterne





Vielen Dank für dieses Rezensionsexemplar!
Melancholia ♥

Kommentare :

  1. Schade, dass dir das Buch nicht so gefallen hat. Ich habe bisher nur Gutes darüber gehört und da ich von der Autorin schon lange ein Buch lesen wollte, werde ich mir wohl eine eigene Meinung bilden... Schöne Rezi!

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    1. Es war ja nicht unglaublich schlecht und wäre das Ende nicht gewesen bzw. das letzte Drittel, wären es auch 4 Sterne (bzw. Büchlein) geworden! Aber über ein paar Dinge konnte ich einfach nicht hinwegsehen, obwohl ich versucht habe so objektiv wie möglich zu bleiben :)
      Danke!
      LG ♥

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  2. Hei c:
    Erstmal vielen, vielen Dank für deine ausführliche Meinung auf meinem Blog zu Homosexualität. Natürlich habe ich pansexuelle, asexuelle, etc. nicht vergessen - es ging mir einfach nur darum, zu zeigen, dass man nicht "krank" ist oder so, nur weil man sich seinem eigenen Geschlecht hingezogen fühlt! Aber ich kann deinen Text genauso unterschreiben! Die Rezension zu "Auf eine wie dich habe ich lange gewartet" ist dir wie immer sehr gut gelungen. Vielleicht werde ich das Buch auch lesen, gerade, weil es dieses Thema auch anspricht. Ich finde, dass man immer offen sein sollte dafür, was andere Menschen empfinden, auch wenn ich nicht homosexuell bin :D

    Ganz viele liebe Grüße an dich, Rainbow ☼♥

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    1. Ich finde es sowieso generell einfach unverständlich, dass es heute noch Menschen gibt, die wirklich denken es sei eine Krankheit und die sich so von der gesellschaftlichen Norm beeinflussen lassen!
      Also so wirklich wird dieses Thema gar nicht behandelt, deswegen hat es ja auch "nur" 3 Sterne von mir bekommen :) Aber soo schlecht war es jetzt eben auch nicht. Es war eben okay, aber auch nicht besonders.

      Das finde ich auch und ich finde es toll, dass du dich dafür trotzdem einsetzt :)
      LG ♥

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